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Profil 2 Gedichte 1 Forenbeitrag
Name: Roland Kellner
Alter: 35
Homepage: aNFANGENDe
Angemeldet: vor dem 01.05.2008
Vorstellung:Meine krumme und schiefe Schreibvita...
Was bin ich für einer, so als "Schreibmensch"? Zunächst einmal bin ich stillos:
Ich bin ein Formenwechselbalg, schreibe von klassisch bis ultramodern und visuell,
und ich bewege mich auch thematisch in den Kategorien von Tod bis Klamauk.
Jedenfalls aber bin ich mit Leib und Seele an Lyrik und Kurzprosa interessiert, seit ich 12 Jahre alt bin.
Damals fing alles an, mit einer Hausaufgabe in Deutsch: "Schreibt ein Gedicht!"
Hab ich gemacht. Dann wurde ich drangenommen und musste es vorlesen -
und wurde wüst beschuldigt, ich hätte es irgendwo abgeschrieben .
Das war meine erste Bekanntschaft mit der Realitätsferne der "Unschuldsvermutung"... .
Ich habe diese innere Wut nicht vergessen, aber erst ab 15 begann ich dann,
regelmäßig und intensiv Gedichte, Krimis, Hörspiele und Theaterstücke zu schreiben
und mich mit der Metrik und den Gedichtformen zu beschäftigen.
Die meisten der damals entstandenen Texte mag ich heute niemandem mehr gerne zeigen.
Erst mit 16 war mancher Text auch aus heutiger Rückschau akzeptabel.
Zu dieser Zeit gab ich an meiner Schule auch eine Schülerzeitung heraus
und schrieb und spielte regelmäßig Laientheaterstücke.
Mit 17 wechselte ich meinen Schreibstil hin zu visuellen, freien Formen.
Drei solcher Texte (Kinderzimmeridylle, Oberflächlichkeit und Dämmerung)
sandte ich beim "Jungen Literaturfoum Hessen und Thüringen" ein,
einem vom hessischen Kultusministerium und (damals noch) vom Suhrkamp Verlag
getragenen Wettbewerb für junge Autoren zwischen 16 und 25 Jahren.
Nachdem ich bei meiner ersten Teilnahme (nicht gerade unerwartet) leer ausgegangen war,
wurde zu meinem Erstaunen diesmal tatsächlich meine Einsendung aus der Masse von 475 anderen Beiträgen ausgewählt.
Ich sprang natürlich vor Freude im Dreick, denn damals gab es noch kein Internet
und außer ein paar Freunden hatte nie jemand meine Gedichte zu lesen bekommen.
Man wusste einfach nicht, wo man steht und war praktisch isoliert mit seinen Texten. Plötzlich war alles anders:
Die Zeitung rief an und berichtete über einen "jungen Lyriker aus Wetzlar", und mit der Anthologie-Veröffntlichung
war ich mit meinem merkwürdigen Hobby wenigstens nicht mehr so völlig unbeachtet bzw. so ungelesen wie vorher.
Über das Hessische Literaturbüro knüpfte ich danach ein paar Kontakte zu schreibenden Kollegen aus Mittelhessen,
und es gab - leider nur kurzlebig - so etwas wie ein "Forum" mit Treffen in der Uni Gießen.
Ich war in der Kulturszene ziemlich aktiv, und durch etwas merkwürdige Umstände
wurde ich im nächsten Jahr Stellvertreter in der Kulturkommission der Stadt Wetzlar.
Der Umstand, dass man mich als Parteilosen überhaupt gefragt hatte, war ja schon merkwürdig genug,
aber das wirklich Verrückte daran ist, dass ich mit 17 gar nicht wahlfähig war,
nur hat das damals irgendwie einfach niemand gemerkt...
So debattierte ich also die folgenden vier Jahre im städtischen Kulturausschuss darüber,
wo ein hässlicher Brunnen aufgestellt oder wie arg irgendein Goethefestival mitfinanziert wird. Solche gab es andauernd,
Wetzlar ist schließlich Wertherstadt, also musste man Goethe auch touristisch-kulturell (r)aushängen.
Das war dann leider auch schon alles Literarische, naja, bis auf die "Wetzlarer Fantastiktage", aber Fantasy war nie so mein Metier.
Immerhin tröstete das "Sitzungsgeld" darüber hinweg, dass mir jedes Mal etwas flau im Magen war,
wenn ich da als Pimpf zwischen den ganzen alten Kommunalpolitiknasen hockte
und anfangs wirklich null Ahnung von irgendwas hatte .
Im selben Jahr leitete ich im Rahmen der Projektwoche an meiner Schule den Workshop "PRO-WORT",
wo ich eine Horde (mehr oder weniger interessierte) ca. 15-jährige
mit Theorie und Praxis des Schreibens eigener Gedichte beschäftigt habe.
Heraus kam eine Ausstellung der "Werke" und ein paar Seiten in der Projektwochenzeitung -
und meine erste Erfahrung mit Textarbeit, Textkritik und Metrikübungen,
also fast wie hier im Forum. Nur, dass es noch immer kein Internet gab...
Dann kamen mit 19 Abi, Auszug in die erste eigene Bude in Gießen,
und direkt der Beginn des Studiums. Nein, nicht Germanistik, ich wusste schon damals,
dass man mit Lyrik keinen Pfennig verdienen kann, sondern Rechtswissenschaften.
Die trockene, abstrakte Atmosphäre, die dieser Stoff aufkommen ließ
und diverse andere Interessen ließen mein Schreibhobby mehr und mehr einschlafen.
Es folgten stumme Jahre, in denen nur einzelne Texte entstanden.
Stattdessen machte ich lange und weite Reisen, fotografierte eine Menge
und kümmerte mich um die Reize des Studentenlebens.
Nach 4 Jahren schloss ich das Studium mit dem 1.Staatsexamen ab, schnell, aber mäßig.
Das sollte sich rächen, denn ich hatte wichtige Grundlagen nicht wirklich sattelfest drauf,
so dass ich es mühelos schaffte, nach dem Referandariat das 2. Staatsexamen zu versemmeln.
Ich zog danach nach Mannheim und machte in den folgenden 3 Jahren
parallel die Abschlüsse zum Industrie- und Personalfachkaufmann.
Dass bei zwei Aus- und Weiterbildungen plus zusätzlicher Jobberei plus einem
zeitintensiven Online-Gaming-Hobby nicht viele neue Texte zustande kamen, war klar.
Ich glaube es war sogar nur ein einziger, "Gleitzeitstimmung".
Danach, 2006, arbeitete ich als Einkäufer und Projektbeauftragter in einem Industrieunternehmen.
Am selben Tag, an dem dort mein Zeitvertrag endete, begann eine sehr kreative Zeit, in der binnen eines halben Jahres über 100 Gedichte, Prosatexte und zuletzt der Anfang eines Romans entstanden.